22.12.2015

Chancen und Hindernisse für Energieeffizienz durch Bürgerbeteiligung

Studie "Energiesparen in Bürgerhand"Das Thema Energieeffizienz ist sehr vielschichtig. Es gibt die Energieeffizienz von Gebäuden, von Privathaushalten, Gewerbebetrieben, der Industrie und im Verkehr. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Akteure im Bereich der Energieeffizienz. Eine bedeutende Rolle als Treiber für die Energieeffizienz vor Ort in den Kommunen können die Bürger sein, sie können bei der Finanzierung genauso helfen wie in der Umsetzung und der Schaffung von Akzeptanz für die Maßnahmen. Wie das geht und welche Möglichkeiten es dazu gibt, hat die BUND-Effizienzstudie "Energiesparen in Bürgerhand" zusammen getragen.

Auf 48 Seiten werden die Grundlagen von Bürgerbeteiligung an Energiesparmaßnahmen erläutert, der aktuelle Stand der Beteiligung von Bürgern zusammengefasst und die Potenziale, bzw. Hemmnisse aufgelistet. Der BUND und das Bündnis Bürgerenergie e.V. haben die Studie in Auftrag gegeben und erstellt hat sie das Institut für Energie- und Umweltforschung IFEU in Heidelberg.

Welche Energieeffizienz-Projekte werden von Bürgern initiiert?

Bürger können praktisch in allen Feldern der Energieeffizienz tätig werden und Projekte umsetzen. Sie können Projekte zur Gebäudesanierung, zur Modernisierung von Heizungen, der Beleuchtung oder anderen Maßnahmen anregen und organisieren. Es kann sich dabei um kommunale Gebäude handeln oder um gewerblich genutzte Gebäude, bzw. die Heizungen oder andere Energieverbraucher in diesen Gebäuden. In das Feld der Bürgerfinanzierung von Energieeffizienz gehört auch Finanzierung von Nahwärmenetzen durch die Bürger.

Wie sieht die Beteiligung der Bürger aus und welche Formen hat sie?

Ähnlich wie bei der Finanzierung von Anlagen mit erneuerbaren Energien können auch Bürgerenergiegenossenschaften zur Finanzierung von Energieeffizienz vor Ort beitragen. In vielen Projekten mit erneuerbaren Energien haben sie gezeigt, dass sie in der Lage sind große Investitionen zu organisieren. In Genossenschaften ist die Möglichkeit der Mitbestimmung und aktiven Beteiligung für die Bürger am größten. Darüber hinaus sind die Bürger unmittelbar in die Umsetzung der Energiesparmaßnahmen eingebunden. Energiegenossenschaften sind lokal verankert und daher geprägt von dem Interesse an lokaler Wertschöpfung in Verbindung mit Umweltschutz und der gemeinschaftlichen Energiewende vor Ort.

Weitere Formen des Energiesparens in Bürgerhand sind Energiesparpartnerschaften, wie Energiespar- und Solarschulen. Bei diesen Projekten wird die Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen mit einer Beteiligung der Bürger als stiller Gesellschafter einer GmbH oder GmbH & Co KG, die Contracting- oder Miet-/Mietkauf-Projekt durchführt, organisiert - mit einer direkten Beteiligung der Investoren am Energiesparerfolg. 

Ein bekanntes Beispiel ist auch das „Fifty-Fifty“-Projekt, das an 70 Schulen in Norddeutschland durchgeführt wurde. Die Einsparungen können zur Finanzierung weiterer Energieeffizienz-Maßnahmen verwendet werden. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler sind für das Thema sensibilisiert und tragen es weiter in das Elternhaus.

Hinzu kommen noch Fonds- und Crowdfunding-Modelle. Beide arbeiten mit einem Nachrangdarlehen mit vorgegebener Rendite und Laufzeit zur Investition in Energiesparprojekte. Durch attraktive Renditen, zwischen 4 und 10%, sind Projekte zur Finanzierung von Energieeffizienz mittels eines Fonds oder einer Crowdfunding-Plattform für Investoren sehr interessant. Bereits mit kleinen Beträgen ab 50 € kann sich jeder diese Investition leisten. Es muss jedoch, nicht nur aus gesetzlichen Gründen, darauf hingewiesen werden, dass ein Totalverlust des eingesetzten Geldes möglich ist.

Besonderheiten der Energieeffizienz in Bürgerhand

Mit den vergleichsweise hohen Renditen haben wir schon einen der Vorteile für die Energieeffizienz in Bürgerhand. Für die Bürger wird es somit interessanter in Energieeffizienz zu investieren und den Mangel an Eigenkapital von Kommunen, sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auszugleichen. Sie haben mit den unterschiedlichen Formen der Bürgerfinanzierung auch die Möglichkeit der Modernisierung von lokaler Versorgungs- und Infrastruktur. Hinzu kommt noch die Erhöhung der lokalen Wertschöpfung bei der Umsetzung durch lokale Handwerksbetriebe. Die Einbindung der Bürger, sowie die Nutzung und Optimierung lokaler Strukturen verbessert zudem die Akzeptanz dieser Maßnahmen in der Bevölkerung vor Ort.

Bürger können neben der Finanzierung auch in der Umsetzungsphase oder in der Suche nach neuen Projekten eingebunden werden. Im Netzwerk der Bürger finden sich zudem Experten für die Planung und Realisierung der Maßnahmen, die auch ein Interesse an hohen Einsparungen haben.

Die Beteiligung der Bürger erhöht den Anreiz hohe Einsparungen in der Praxis zu erzielen. In einigen Formen der Finanzierung durch die Bürger ist die Rendite abhängig von der Höhe der Einsparung und durch den lokalen Bezug besteht eine engere Bindung zum Projekt und damit ein stärkeres Bedürfnis nach einer erfolgreichen Umsetzung der Effizienz-Maßnahme. Als Folge können auch weniger wirtschaftliche Projekte in Angriff genommen werden, da die Bürger auch an anderer Stelle, wie bei den kommunalen Finanzen profitieren.

Energieeffizienz ist unheimlich kleinteilig und komplex mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen, die alle ein kleines Stück beitragen. Eine Beteiligung von vielen Bürgern passt eher dazu als große Unternehmen, die einen schnellen wirtschaftlichen Erfolg suchen. Ein letzter Vorteil ist die indirekte Auswirkung auf das persönliche Verhalten der Bürger im eigenen Alltag durch die Beschäftigung mit dem Thema Energieeffizienz. Im Optimalfall wird das Gelernte aus der Beteiligung und Mitarbeit an Energieeffizienz-Projekten auf den eigenen Alltag übertragen.

Problemfelder und Hindernisse der Bürgerbeteiligung bei Energieeffizienz-Projekten

Die Bürgerbeteiligung bei Energieeffizienz ist allerdings nicht so einfach und problemlos wie es bis jetzt aussieht. Durch die finanzielle Beteiligung vieler Personen erhöht sich der Verwaltungs- und Koordinationsaufwand der Projekte. Es ist auch mit höheren Transaktionskosten zu rechnen.

Für die Umsetzung von Energieeffizienz-Projekten ist umfangreiches technisches und rechtliches Fachwissen notwendig, das unter den Beteiligten nicht immer vorhanden ist. Vor allem in energie- und vergabrechtlichen Fragestellungen ist es heute wichtig auf dem aktuellen Stand zu sein. Hier sind laufend neue Änderungen zu beachten, die häufig große Hürden für Bürgerbeteiligung darstellen. Zumindest herrscht Unsicherheit, was die Kompatibilität von Ausschreibungspflicht und Bürgerbeteiligung, bzw. hinsichtlich der vergaberechtlichen Bestimmungen bei der Bürgerbeteiligung in Kommunen, betrifft.

Als ein weiteres Problem hat sich die aufwändige Akquise von neuen Projekten herausgestellt. Energieeffizienz liegt für Kommunen und kleine Unternehmen nicht auf der Hand. Engagierte Bürger und Genossenschaften müssen sich selbst auf die mühsame Suche nach neuen Projekten begeben.

Bürgerbeteiligung bei Energieeffizienz hat Chancen und Hindernisse

Die Beteiligung der Bürger bietet die Chance viele neue Projekte für Energieeffizienz vor Ort anzuregen und umzusetzen. Für die Finanzierung stehen heute viele unterschiedliche Wege zur Verfügung. Doch die rechtlichen Vorgaben stehen diesen Projekten häufig im Weg und sorgen für Verunsicherung unter den beteiligten Akteuren. 

Eine Beseitigung dieser Hindernisse würde die Möglichkeit eröffnen viele neue Energieeffizienz-Projekte vor Ort zu starten. Damit könnte ein großer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden, der durch privatwirtschaftliche Unternehmen oder von den Kommunen nicht, oder nur mit geringerem Hebel, genutzt werden kann.

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