30.11.2015

Thema: Klimaschutz

Energiespar-Maßnahmen liegen noch weit hinter den Klimaschutz Zielen

Wenn es in dieser Woche um den internationalen Klimaschutz auf dem Gipfel in Paris geht, spielt auch Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Energieeffizienz hat das Potential einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, genauso wie zur Versorgungssicherheit und zur wirtschaftlichen Entwicklung. Doch Deutschland hat das Potential noch immer nicht ausgeschöpft, wie der GAPOMETER zeigt, den das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Bündnisses #Energiewende entwickelt hat.

Der GAPOMETER bewertet den Stand der Umsetzung von geplanten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz aus dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und aus dem Aktionsplan Klimaschutz 2020, sowie sonstiger Maßnahmen. Es wird gemessen, wie der Stand der Umsetzung der Maßnahmen aus diesen Programmen ist und wie groß die Lücke zum Primärenergieziel ist.

Nur die Hälfte der NAPE-Sofortmaßnahmen auf dem Zielpfad

 Ziellücke im GAPOMETER des Fraunhofer ISI

Die Sofortmaßnahmen im NAPE sollten eigentlich CO2-Einsparungen von 21 Mt bringen. Doch jetzt, nach einem Jahr, stehen bereits 10 Mt CO2-Einsparungen Frage. Nach der Analyse mit dem GAPOMETER liegen von den geplanten 365 Petajoule an Primärenergieeinsparungen heute nur noch 310 Petajoule auf dem Tisch. Zusätzlich werden  122Petajoule Einsparungen aufgrund von deutlichen Verzögerungen mit einer niedrigen Umsetzungswahrscheinlichkeit bewertet. Daraus ergibt sich, dass nach einem Jahr NAPE lediglich die Hälfte der Sofortmaßnahmen auf dem Zielpfad liegt.

Aber auch bei einer vollständigen Umsetzung können die NAPE-Sofortmaßnahmen nur
rund ein Viertel der Lücke zum deutschen 20%-Energie-Einsparziel bis 2020 füllen. Ein
weiteres Viertel tragen Maßnahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 (mit Schwerpunkt Verkehr) und sonstige Maßnahmen bei, die auch teilweise noch mit Unsicherheiten behaftet sind. Damit sind 1.151 Petajoule bzw. 60 ktCO2Äqv. Einsparung ungewiss.

WWF: Energieeffizienz bleibt vernachlässigtes Sorgenkind

"Energieeffizienz bleibt ein vernachlässigtes Sorgenkind“, sagt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand WWF Deutschland. „Die Bundesregierung übersieht weiterhin den dringenden Handlungsbedarf bei diesem sowohl für die Wirtschaft als auch für den Umwelt- und Klimaschutz so wichtigen Thema.“

Grund für die schlechte Bilanz ist die mangelhafte Umsetzung der zehn im NAPE festgelegten Sofortmaßnahmen, so ein Ergebnis des GAPOMETERS.

So steht es um die zehn Sofortmaßnahmenn im NAPE:

Völlig gescheitert ist aktuell die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung, die 11% zu den Einsparungen beitragen sollte. Das "Anreizprogramm Energieeffizienz", dessen Details noch unklar sind, hat ein deutlich geringeres Volumen.

Das wettbewerbliche Ausschreibungsmodell zu Energieeffizienz im Stromsektor kommt erst 2016, war eigentlich schon für 2015 geplant. Es soll 14% der Einsparungen bringen. Noch nichts passiert ist bei dem Abbau von Hemnissen zum Contracting und bei der nationalen TOP-Runner-Strategie. Die Umsetzung der Initiative Energieeffizienznetzwerke läuft auch langsamer an als geplant, bislang sind erst 30 Netzwerke gestartet. 

Erfolgreich umgesetzt sind bislang die Optimierung der Energieberatung, die Weiterentwicklung ders CO2-Gebäudesanierungsprogramms, des KfW-Energieeffizienzprogramms, das nationale Effizienzlabel für Heizungen im Bestand und die Energieauditpflicht für Nicht-KMUs.

NABU: Energieeffizienz im Klimaschutz braucht den notwendigen Stellenwert 

„Klimaschutz können wir nur glaubwürdig auf internationalem Parkett vertreten, wenn wir
zu Hause der Energieeffizienz endlich den notwendigen Stellenwert einräumen – die
Energiewende bleibt nur dann ein Erfolgsprodukt, wenn wir endlich neben erneuerbaren
Energien auch über Energieeffizienz sprechen.“ (Olaf Tschimpke, Präsident NABU -
Naturschutzbund Deutschland e.V.)

Effizienz-Maßnahmen brauchen politische Priorität

In einer Pressemitteilung fordert das Bündnis #effizienzwende die Bundesregierung auf, der Umsetzung der beschlossenen Effizienzmaßnahmen endlich politische Priorität einzuräumen.

„Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentiert Deutschland bei dem Pariser Klimagipfel als Musterschüler. Doch zu Hause sind die Hausaufgaben nicht gemacht. Dabei kann Deutschland mit innovativen Effizienzlösungen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Christian Noll, Geschäftsführer der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF).

Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) betont: “Die Bundesregierung muss sich endlich langfristig festlegen. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, damit sie in Energieeffizienz investieren. Das ist gut für Klima und für Beschäftigung. Entsprechend fordert das Bündnis #effizienzwende ein Energieeffizienz-Gesetz, das eine kohärente Gesamtstrategie mit verbindlichen Zielen festschreibt.”

Zusammenfassung des Energieeffizienz-GAPOMETER,  Stand 26.11.2015

Seite teilen:

Ein Dialogangebot von:

    • B.A.U.M.
    • DENEFF
    • Deutsche Umwelthilfe
    • DGB
    • Deutscher Mieterbund
    • DNR
    • Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS)
    • Klima-Allianz
    • NABU
    • VBI
    • Verbraucherzentrale Bundesverband
    • WWF
    • eaD neu