05.07.2018

Thema: Gebäude, Energie, Klimaschutz, Energieeffizienzgesetz

Monitoringbericht Energiewende deckt Defizite bei der Steigerung der Energieeffizienz auf

Ende Juni hat das Bundeskabinett den sechsten Monitoring-Bericht zur Energiewende beschlossen. Der Bericht dokumentiert jährlich den Stand der Energiewende und deren Umsetzung mit Stand 2016. Er zeigt, laut der Stellungnahme der unabhängigen Expertenkommission, zum wiederholten Male eine Entwicklung auf, die fast nur Fortschritte beim Ausbau des erneuerbaren Stroms bringt, aber gleichzeitig erhebliche Defizite bei der Steigerung der Energieeffizienz und im Wärmesektor beinhaltet. 

Während der Primärenergieverbrauch in den Jahren von 2008 bis 2016 noch um 6,5 Prozent (dies entspricht im Durchschnitt einem jährlichen Rückgang von 0,8%) gesunken ist, stieg er  im Jahr 2016 um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an - bedingt durch eine gute Wirtschaftsentwicklung und relativ kühles Wetter.

Um das Einsparziel von 2020 noch erreichen zu können, ist eine Steigerung der Endenergieproduktivität, d.h. den Energieaufwand je Einheit BIP,  um den Faktor 4 notwendig, so die Experten unter der Leitung von Prof. Andreas Löschel von der Universität Münster. Die Energieproduktivität ist zwischen 2008 und 2016 um durchschnittlich 1,1 % gestiegen, das 2010 im Energiekonzept festgelegte Ziel liegt jedoch bei 2,1 %. Um das Ziel für 2020 noch zu erreichen, müssten wir die Effizienzsteigerung vervierfachen und auf 4,2 % jährlich erhöhen.

Der Bruttostromverbrauch blieb 2016 gegenüber dem Vorjahr konstant, in der Zeit zwischen 2008 und 2016 konnte eine Verringerung um 3,6 % erreicht werden. Damit betrug die durchschnittliche Verringerung im Jahr 0,5 %. Um das Ziel zur Einsparung im Stromverbrauch bis 2020 noch zu erreichen, müsste sich die Reduktion mehr als verdreifachen und 1,7% erreichen.

Energieverbrauch in Gebäuden steigt, anstatt zurück zu gehen

Nach Angaben des Monitoring-Bericht zur Energiewende ist der Endenergieverbrauch in Gebäuden angestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 %. Der Wärmebedarf für Gebäude ist in den letzten drei Jahren angestiegen. Über den Zeitraum 2008 bis 2016 betrachtet, ging er um 6,3 % zurück, d.h. er ist durchschnittlich um 0,8 % jährlich gesunken. Um das Ziel für 2020 noch zu erreichen müsste der Bedarf fünfmal schneller sinken, um 3,9 % jährlich. Der  Primärenergiebedarf für Gebäude ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 % gesunken. Im gesamten Zeitraum von 2008 bis 2016 betrug die Reduktion 18 %, dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Minderung von 2,5 %.

Bewertung nach Ampelsystem für Wahrscheinlichkeit der Einhaltung von 2020 Ziele

Die Bewertung der einzelnen Teilbereiche erfolgte durch die Experten mit der Hilfe eines Ampelsystems. Der Bereich “Energieeffizienz” wurde mit Rot markiert, die Erfüllung des Ziels für die Reduzierung des Primärenergiebedarfs bis 2020 ist als “unwahrscheinlich” eingestuft. Lediglich das Ziel der Reduzierung des Wärmebedarfs von Gebäuden bewerten die Experten mit Gelb, dies bedeutet die Zielerreichung ist “nicht sichergestellt”. Vor allem bei Nichtwohngebäuden sehen sie noch einen erheblichen energetischen Sanierungsbedarf. Und der Raumwärmebedarf für private Haushalte habe sich seit 2009 kaum verändert. Daher fordern sie eine deutliche Aufstockung der Fördermittel für die Energieeffizienz und für die Gebäudesanierung.

Maßnahmen des NAPE zeigen bisher nur geringe Wirkung

Die Maßnahmen des NAPE hatten bisher nur einen geringen Einfluss gezeigt, die Wirkungen auf den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen sind in den meisten Fällen nur begrenzt, so die Expertenkommission. Sie begrüßt die “Anstrengungen zum Monitoring der Maßnahmen, empfiehlt aber erneut eine Überprüfung der Minderungseffekte und eine umfassendere Evaluierung der Maßnahmen unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Expertenkommission zum Monitoring des NAPE.”

Experten empfehlen Überdenken des Maßnahmendesigns

Darüber hinaus empfehlen die Experten ein grundsätzliches Überdenken des Maßnahmendesigns. Im Vergleich zu den großen Herausforderungen der Energiewende sind die Wirkungen der energie- und klimaschutzpolitischen Maßnahmen eher begrenzt. Hinzu komme eine “Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 angesichts der expansiven wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung” von lediglich 32 Prozent. Durch die damit verbundenen höheren Treibhausgasemissionen muss die zusätzliche CO2-Emissionsminderung bis 2030 nach oben angepasst werden.

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